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Geschichte |
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Die Urgründung der kath. Burschenvereine in Bayern
geht auf das Jahr 1903 zurück. Erster Zentralpräses war der Stiftsdekan Simon
Spannbrucker, der von 1904 - 1914 an ihrer Spitze stand. Als Ziel stand den
Gründern die "Erhaltung und Förderung von Glaube und Sitte,
Berufstüchtigkeit und Heimatliebe, Freundschaft und Frohsinn" vor Augen.
Zu den zahlreichen Ortsvereinen, die im Landkreis Wolfratshausen auf die
Jahre vor dem 1. Weltkrieg zurückzuverfolgen sind, gehört auch der
"Kath. Burschenverein Dorfen im Isartal". Erste Aktivitäten des
Vereins sind nach dem 1. Weltkrieg nachweisbar, als unter dem Vorstand Alois
Wunderl, die Kriegsheimkehrer ihren gefallenen Kameraden gegenüber der
"Gastwirtschaft zur Schwaige" ein Ehrenmal errichteten, das der
damalige Wolfratshauser Kooperator Innozenz Kohlhauf einweihte. Ein weiterer,
über den Heimatort Dorfen hinausreichender Höhepunkt des Vereinslebens war
die Standartenweihe am Sonntag, dem 29. Mai 1926, worüber das
"Wolfratshauser Tagblatt" am 02. Juni ausführlich berichtete:
"Vergangenen Sonntag fand in Dorfen die Standartenweihe des dortigen
kath. Burschenvereines statt. Früh gegen halb 5 Uhr kündeten Böllerschüsse
den Festtag an und trotz des schlechten Wetters zogen die auswärtigen
Burschen ein und wurden am Ortseingange vom festgebenden Verein mit Musik
empfangen. Die altbewährte Musikkapelle Höhenrain leistete wiederum das
Beste. 18 Vereine, darunter 16 mit Fahne, stellten sich zum Kirchenzug auf.
Als Patenverein fungierte der Burschenverein Farchach. In dem festlich
geschmückten Kirchlein hielt der Präses des Burschenvereins Dorfen, Hochw.
Herr Kooperator Kohlhauf, die Festmesse und Hochw. Herr Gaupräses Fäßler aus
München nahm die Weihe der Standarte vor. In der Festpredigt ermahnte Hochw.
Herr Gaupräses die Burschenvereine, gute, alte Sitten hochzuhalten. Nach
einem Tedeum zog man ins Märzsche Gasthaus über, wo die Feier ihre
Fortsetzung fand. Infolge des schlechten Wetters musste die Ehrung vor dem
Kriegerdenkmal unterbleiben. Unter Vortragung einiger hübscher, sinniger
Prologe der Festjungfrauen Frl. Kathie Loth, Frl. Anni Burger und Frl. Agathe
Loth, fand die Standartenübergabe statt. Nachmittags 2 Uhr fand der Festzug
durch die schön geschmückte Ortschaft statt, dem sich ein fröhliches Treiben
im Märzschen Gasthause anschloss. |
Unsere Standarte Vorder- & Rückseite
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Herr
Gaupräses hielt im Laufe des Nachmittags nochmals eine Ansprache, in welcher
er die Burschen zu festem Zusammenhalten aufmunterte und seiner Freude
Ausdruck gab, dass es sich die Burschen nicht nehmen ließen, trotz des
schlechten Wetters an dem Feste teilzunehmen. Herr und Frau März sorgten wie
immer aufs beste für das Wohl ihrer Gäste. Bei heiterer Stimmung und Konzert
verliefen allzu schnell die Stunden dieses schönen Festtages." Um ihre
neue Standarte geschart, reihten sich die Dorfener Burschen künftig in die
Feste und Feiern im Dorf ein, beteiligten sich an Jubiläen und Ereignissen
anderer Vereine in der näheren und weiteren Umgebung. Dem örtlichen Brauchtum
verpflichtet, nahmen sich die Burschen dem alle fünf Jahre fälligen
Aufstellen des Maibaumes an und organisierten das Sonnwendfeuer an Johanni
auf dem Höhepunkt des Sommers. Zu einem sommerlichen Tanzabend luden die
Burschen die Jugend im August 1933, laut Anzeige im "Wolfratshauser
Beobachter" vom 31. August ein: "Der Burschenverein Dorfen hält am
kommenden Sonntag im Gasthaus März einen Ball ab. Da sich die Veranstaltungen
dieses Vereins schon immer einer großen Beliebtheit erfreuten, ist auch
diesmal mit einem guten Besuch zu rechnen." Es kam die Zeit des 3.
Reiches. Mit Besorgnis notierte Pfarrer Matthias Kern in seinen Erinnerungen:
"Das NS-Regime begann sich im Leben der Pfarrei stärker auszuwirken. Unter
seinem Einfluss wandelte sich der Burschenverein zu einem "wilden
Verein" , der kaum mehr ein Jahr weitervegetierte". Zu Beginn des
3. Reiches (1933) waren die kath. Burschen in 1.549 Vereinen mit rund 4.400
Mitgliedern zusammengeschlossen. Das "Burschenblatt" erreichte eine
Auflage von 33.000 Stück. Schließlich ereilte auch den Burschenverein, wie
alle kirchlichen Verbände, die Auflösung durch die Zwangsmaßnahmen des
Staates. Nach 1945 knüpfte man zunächst an die Tradition der alten, in ganz
Deutschland verbreiteten Vereine und ihre Gliederungen an. Nach Empfehlung
der bayerischen Bischöfe 1947 wurden die Burschenvereine in die kath. Jugend
des Dekanats und der Diözese integriert. Nun konnten kirchliche Feste, Feiern
und Prozessionen, wie gewohnt, auch in der Öffentlichkeit wieder stattfinden,
wie etwa die große Prozession am Fronleichnamsfest. Von jeher beteiligte sich
dabei der Burschenverein mit der Johannesfahne und der Figurengruppe der
Taufe Jesu. Aus dem Fortgang der Zeit ragen heraus: alle 5 Jahre das
Aufstellen des Maibaumes mit Tanz und Feier, beim Dorfener kleinen Kirta zum
Kirchenpatrozinium das Aufrichten und Entzünden des Johannisfeuers. Dazu
kommen im Jahreslauf Geselligkeit, Tanz, (Kehraus) und Pflege des
ortsgebundenen Brauchtums. Ausflüge in die nähere und weitere bayerische und
alpenländische Heimat führten die Burschen in den zurückliegenden Jahrzehnten
zusammen mit den Madln aus dem Dorf u. a. nach Berchtesgaden, Salzburg, zum
Königssee und zum Bodensee, nach Südtirol, Linz; zu einer Donaufahrt usw. Das
jüngste, gut gelungene örtliche Ereignis war das Aufstellen des Maibaumes,
der aufs neue in der Ortsmitte steht. |
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